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Witold Pilecki. Symbol des Widerstands gegen zwei Totalitarismen des 20. Jahrhunderts

Mo 17.09.2018 19.00 Uhr
Gerhart-Hauptmann-Haus, Bismarckstraße 90, 40210 Düsseldorf

Vortrag und Gespräch mit dem Vertreter des Witold Pilecki-Zentrums für Totalitarismen-Forschung in Warschau

Das Gerhart-Hauptmann-Haus und das Polnische Institut Düsseldorf laden am 79. Jahrestag der Aggression der Sowjetunion auf Polen zum Vortrag und Gespräch über Witold Pilecki, eine Symbolfigur im Kampf gegen den Nationalismus und gegen den Kommunismus ein.

Kavallerie-Hauptmann Witold Pilecki (1901–1948), in Polen immer als „Rotmistrz Pilecki“ genannt, ist eine außerordentlich symbolträchtige Figur in der Geschichte Europas und insbesondere Polens des 20. Jahrhunderts.
Bereits Offizier in der Zweiten Polnischen Republik (1918-1939) engagierte er sich während des Zweiten Weltkriegs als Mitglied der Heimatarmee (AK, Armia Krajowa) früh in dem Widerstand. Als einziger bekannter Mensch ging er mit Zustimmung der AK-Vorgesetzten freiwillig 1940 in die Gefangenschaft des KZ Auschwitz. Er verbrachte im Lager zwei Jahre, baute dort ein konspiratives Netzt auf und informierte den Untergrund über die Situation im Lager und über die Gräueltaten der deutschen Nazis gegenüber den Juden. Nach einer spektakulären Flucht aus KZ-Auschwitz diente Pilecki weiter in der Heimatarme, kämpfte im Warschauer Aufstand 1944 und geriet danach in die deutsche Gefangenschaft. 1945 kam er zurück nach Polen, das nun von Kommunisten regiert wurde. Als Gesandter des Generals Władysław Anders sollte er ein Geheimdienstnetz aufbauen. 1947 wurde Pilecki jedoch vom kommunistischen Sicherheitsdienst verhaftet und während der Verhöre brutal gefoltert. In einem politischen Schauprozess wurde Witold Pilecki zum Tode verurteilt und am 25. Mai 1948 hingerichtet. Erst nach Ende des kommunistischen Regimes wurde er rehabilitiert.

Witold Pilecki forderte zwei Totalitarismen heraus: den Nationalsozialismus und den Kommunismus. Wie kein anderer steht er für den Widerstand gegen die beiden Systeme, denen er auch zum Opfer fiel. Er ist ein Symbol für Patriotismus, Mut, Freiheitsliebe und Solidarität mit den Verfolgten – für universelle Werte, die für die westliche Tradition fundamental sind. Die Berichte von Witold Pilecki sind neben denen von Jan Karski ein wesentlicher Bestandteil der Auschwitz-Protokolle und trugen maßgeblich zur Aufklärung des Holocaust bei.

Das Witold Pilecki-Zentrum für Totalitarismen-Forschung in Warschau https://obnt.pl/en/ wurde 2016 gegründet. Seine Aufgabe besteht in der Erforschung der polnischen Erfahrungen mit den beiden Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Das Zentrum dokumentiert die Verbrechen, die während der Besatzung Polens von den deutschen Nazis und von den Sowjets verübt wurden und sammelt dabei Zeugnisse der Opfer, ihrer Familien und Freunde. Das Witold Pilecki-Zentrum unterstützt wissenschaftliche Forschung, stellt Quellentexte und ihre Übersetzungen zur Verfügung und organisiert internationalen akademischen Austausch. Es gibt Veröffentlichungen heraus und ist aktiv im Bildungsbereich. Das Zentrum initiiert und fördert interessante Erscheinungen in Kunst und Kultur, die an die Geschichte und die Totalitarismus-Erfahrungen anknüpfen.
Dank der Vereinbarung von 2017 mit der renommierten amerikanischen Hoover-Institution wird das Witold Pilecki-Zentrum über die größte Datenbank der Zeugnisse von zivilen Opfern im besetzten Europa verfügen.
 

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